Eure Zukunft – Eure Meinung ist gefragt!

SchülerInnen diskutieren über Atomkraft

Der Atommüll ist eine der schwersten Lasten die wir nachfolgenden Generationen hinterlassen. Was sagen junge Menschen dazu? Und wie sicher sind Atomkraftwerke? Welches Handeln wünschen sich Jugendliche von den Verantwortlichen? Schülerinnen und Schüler erarbeiten Fragen, Thesen und Forderungen zu Atommüll und zur Sicherheit von AKWs und bringen diese in das weitere Programm der Atomtage ein. 

Im Rahmen der Atomtage 2015 trafen sich rund 30 Jugendliche der Klassenstufen 8-11, unterstützt von vier Mitgliedern der Grünen Jugend, um gemeinsam über Atomkraft zu diskutieren. Nach einer kurzen Einführung von Babette Schulz und einem Vortrag von Wolf Schluchter, dem Autor zweier Politkrimis zum Thema Atomkraft, wurden wir dann selbst aktiv. Zunächst teilten wir uns in zwei Gruppen, um dann eigenständig zu den Themenfeldern „Sicherheit von Atomkraftwerken“ und „Atommüll“ zu recherchieren.

SchuelerInnen-Diskussion

Nach 1,5 Stunden, in denen jeder – alleine oder im Team – Informationen zu einem selbst ausgewählten Unterthema gesucht und auch gefunden hatte, wurden die Ergebnisse in den beiden Gruppen zusammengetragen und diskutiert. Als Ergebnis dieser Diskussionen entstanden verschiedene Forderungen, die wir zunächst dem gesamten Forum vortrugen und anschließend in weitere Veranstaltungen der Atomtage einbrachten.

Zwei Vertreterinnen der Gruppe, die sich am Vormittag mit der Sicherheit der Atomkraftwerke beschäftigt hatte, brachte stellvertretend die Forderungen der Gruppe in ein Streitgespräch ein (siehe Résümee der „Gruppe Atommüll“ unten), an dem Dr. Ralf Güldner des Deutschen Atomforum, Harry Block des BUND und Michael Sailer des Ökö-Institut e.V. beteiligt waren.

Wir erläuterten, wie wichtig uns eine Aufklärung der Bevölkerung für den Notfall ist und was unserer Meinung nach getan werden sollte, um es gar nicht erst zu einer gefährlichen Situation kommen zu lassen. Dazu zählen für uns EU-weite Sicherheitsstandards, die den Schutz vor Naturkatastrophen, aber auch vor den leider zunehmenden internationalen Terroranschlägen festlegen, sowie eine Regelung, die es anderen Ländern ermöglichen soll, Einfluss auf die Laufbahn grenznaher Atomkraftwerke ausüben zu können. Ebenfalls legen wir Wert auf regelmäßige Kontrollen, die von unabhängigen Fachkräften je nach Alter, mindestens jedoch alle zwei bis drei Jahre durchgeführt werden sollten und deren Ergebnisse für die Öffentlichkeit zugänglich sein sollten.

Input-Schülerinnen

Auch wenn unsere Forderungen letzten Endes nicht direkt in die Diskussion einflossen, erhielten wir auch seitens des Publikums ein sehr positives Feedback, über das wir uns sehr gefreut haben.

Vielen Dank an die vier Jugendlichen der Grünen Jugend, an Wolf Schluchter vor allem aber an Sylvia Kotting-Uhl und an Babette Schulz für die gelungene Veranstaltung!

Jael Fechler und Lara Muttar (Schülerinnen Dominikus-Gymnasium)

Input von Wolf Schluchter für SchülerInnen-Workshop am 17.7.2015 in Karlsruhe, Helmholtz-Gymnasium

Wolf Schluchter

 Folgende Themen spielen bei der Diskussion um Sicherheit von Atomkraftwerken einerseits und Atommüll andererseits eine wichtige Rolle:

Sicherheit von AKW’s

  • Beginn der Atompolitik 1955 im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der Bundeswehr (atomare Bewaffnung)
  • Gründung des Atomforschungszentrum Karlsruhe zur Erneuerung und zum Wissenserhalt nuklearer Technologien
  • Bau großer AKW-Blöcke (Siedewasser- und Druckwasserreaktoren)
  • Notwendigkeit permanenter Brennstabkühlung
  • Unsicherheitsfaktoren: Materialverschleiß, Personalexperience, äußere Einflüsse (EVA=Einfluß von außen), innere Einflüsse (EVI=Einfluss von innen), Stromversorgungsunterbrechungen, Unfälle
  • Risikoabschätzung mit Risikodefinition (Eintrittswahrscheinlichkeit x Schadensausmaß)
  • Katastrophensituationen und Beherrschung
  • Terrorismus
  • Unterversicherung für Havarien
  • Strahlungsexpositionen (Alpha-, Beta-,Gamma-Strahlung)

Atommüllbehandlung

  • Definition Atommüll (schwach, mittel, hoch)
  • Halbwertszeiten von Radionukleiden
  • Entstehung von Atommüll und seine Verwahrung
  • Lagerung (Oberfläche, Tiefe)
  • Lagerorte (Beschaffenheitskriterien, Ausschlusskriterien)
  • Akzeptanzfragen für betroffene Bevölkerung
  • Kompensationsfragen für Gefahren- und Risikoübernahmen

Resümé der Gruppe „Atommüll“

Finn Ermel gab dem Podium „Atommüll“ von Seiten der Jugend folgende Fragen und Thesen mit:

Ermel

  • Die Gruppe hat sich diverse Gedanken gemacht, wo der Atommüll gelagert werden könnte – und alle Vorschläge dann gleich wieder verworfen. So würde ein Endlager in der Antarktis das Ökosystem verseuchen und wäre vermutlich nicht mit internationalem Recht vereinbar. Atommüll, der ins Weltall geschossen wird, könnte Sonne, Planeten und den Weltraum verstrahlen.
  • Bietet eine internationale Lösung eventuell die beste Möglichkeit für die Lösung des Problems?
  • Wie sicher kann ein Endlager überhaupt sein?
  • Es bleibt kontrovers: Atommüll rückholbar, bergbar oder endgültig lagern?
  • Geld sollte keine Rolle spielen, um die optimale Lösung zu finden.
  • Könnte eventuell chemisch ein optimales Wirtsgestein hergestellt werden?
  • Wie kann die Jugend über solch wichtige Frage besser formiert werden? Und wie kann sie besser erreicht, eingebunden und beteiligt werden?